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2 Stream

CO₂-Bilanz von Livestreaming: Was Sie wirklich belegen können

Autorenbild: Christophe Lenaerts
Christophe Lenaerts
vor 1 Stunde
6 Min. Lesezeit

Livestreaming senkt vor allem eine Emissionsquelle messbar: vermiedene Reisen von Teilnehmern und Sprechern. Die Produktion selbst verbraucht weiterhin Energie, deshalb ist "klimaneutral" fast nie die richtige Aussage.



Ab dem 27. September 2026 gilt in der gesamten EU die Richtlinie (EU) 2024/825, die pauschale Umweltaussagen wie "grün", "nachhaltig" oder "klimafreundlich" ohne belastbare Grundlage verbietet [1]. Für Kommunikationsverantwortliche, die Hybrid-Events oder Webinare mit einem Nachhaltigkeitsargument verkaufen müssen, ist das kein Detail am Rand. Es ist der Moment, an dem vage Behauptungen zu einem rechtlichen Risiko werden.


Wir bei 2 Stream kommunizieren seit Jahren über den Klimaeffekt von Livestreaming und hybriden Formaten, und wir haben diese Aussagen nie als generische ESG-Botschaft verstanden. In unserer Arbeit mit internationalen Organisationen, EU-Institutionen und NGOs sehen wir immer wieder dieselbe Frage von Kommunikationsdirektoren: "Können wir das mit Zahlen belegen, wenn ein Journalist oder Prüfer nachfragt?" Dieser Artikel erklärt, wie wir diese Frage beantworten, welche Annahmen dahinterstehen und was die neue Regulierung für Ihre eigene Kommunikation bedeutet.


Was die neuen EU-Regeln für Ihre Eventkommunikation bedeuten

Die Richtlinie (EU) 2024/825 verpflichtet Unternehmen ab September 2026, jede Umweltaussage mit überprüfbaren Daten zu unterlegen, sonst gilt sie als irreführende Geschäftspraxis. Das belgische Wirtschaftsministerium (FOD Economie) präzisiert: Eine Klimaaussage ist problematisch, wenn sie falsch, übertrieben oder schlicht nicht nachprüfbar ist [2].


Für Veranstalter, Agenturen und Kommunikationsabteilungen heißt das konkret:

  • Pauschale Begriffe reichen nicht mehr. "Nachhaltiges Event" oder "grünes Webinar" ohne Zahlen dahinter ist ab September 2026 ein Risiko, nicht nur ein Marketingstil.

  • "CO₂-neutral" braucht eine öffentlich nachvollziehbare Methode. Ohne transparente Berechnungsgrundlage ist diese Aussage nach der Richtlinie nicht zulässig [1].

  • Die Aussage muss den Umfang der Behauptung klar machen. Bezieht sich die Reduktion auf das gesamte Event, nur auf die Reisekomponente oder nur auf einen Produktionsteil?

  • Berechnungsbasis, Annahmen und Bezugsjahr müssen benennbar sein. Genau das verlangt die FOD Economie von jedem Unternehmen, das eine Umweltaussage macht [2].


Das betrifft nicht nur Sustainability-Teams. Es betrifft jeden Eventmanager, jede Public-Affairs-Abteilung und jede Agentur, die in einer Ausschreibung oder einem Sponsoring-Dossier einen Klimaeffekt für ein hybrides Format behauptet.


Wo Livestreaming tatsächlich CO₂ einspart

Der eigentliche Hebel bei Livestreaming und hybriden Events ist die vermiedene Reise, nicht die Streaming-Technologie selbst. Wenn Teilnehmer, Sprecher oder Delegationen nicht mehr physisch anreisen müssen, entfällt genau die Emission, die durch diese Reise entstanden wäre.


Das gilt besonders stark bei internationalen und transatlantischen Formaten, mit denen wir bei 2 Stream regelmäßig arbeiten, etwa bei NATO-nahen Konferenzen zwischen Brüssel und Washington D.C. oder bei mehrsprachigen EU-Veranstaltungen. Je weiter die Anreise und je größer die Teilnehmerzahl, desto größer die potenzielle Einsparung. Drei Formate, drei unterschiedliche Wirkungsgrade:

  • Reines Webinar: kein physisches Event, kein Reisebedarf für das Publikum. Der größte Reiseanteil entfällt vollständig, siehe unser Überblick zum Aufbau eines professionellen Webinar-Studios in Brüssel.

  • Livestreaming vor Ort: Die physische Produktion bleibt bestehen, aber ein Teil des Publikums verfolgt remote statt vor Ort anzureisen. Details dazu in unserem Artikel zu professionellem Livestreaming für Corporate Events und Konferenzen.

  • Hybrid-Event: Ein Teil des Publikums ist physisch anwesend, ein Teil online. Die Gesamtreisenachfrage sinkt, ohne komplett zu verschwinden, wie wir in unserem Leitfaden zu Hybrid Events in Brügge beschreiben.


Wichtig: Diese Einsparung ist eventspezifisch. Ein Webinar mit 40 lokalen Teilnehmern aus derselben Stadt spart kaum etwas ein. Ein hybrides Summit mit 200 internationalen Delegierten, von denen 120 sonst interkontinental angereist wären, spart erheblich. Die Zahl steht nie fest, sie hängt von der Zusammensetzung der Zielgruppe ab.


Vermiedene Emissionen sind nicht dasselbe wie CO₂-Fußabdruck null

Das ist der Punkt, an dem viele Klimaaussagen zu Livestreaming kippen: Vermiedene Reiseemissionen sind eine Differenzrechnung gegenüber einem hypothetischen physischen Event. Sie sind nicht der tatsächliche Fußabdruck der Streaming-Produktion.


Eine Livestream-Produktion verbraucht selbst Energie, und diese Energie ist real, auch wenn sie deutlich kleiner ist als die einer internationalen Flugreise:

  • Produktionsequipment: Kameras, Encoder, Lichttechnik, Mischpulte, Regieanlage.

  • Netzwerkübertragung: Datenübertragung vom Venue zum Rechenzentrum und zum Endgerät jedes Zuschauers.

  • Rechenzentren: Serverkapazität für Streaming, Aufzeichnung und Content-Delivery.

  • Endgeräte der Zuschauer: Laptop, Tablet oder Smartphone, über die das Publikum den Stream verfolgt.


Diese vier Komponenten bilden zusammen die verbleibende Emission des digitalen Formats. Sie ist niemals null. Wer behauptet, ein Livestream sei "CO₂-frei", ignoriert diesen Teil der Rechnung, und genau solche Aussagen sind ab September 2026 nach Richtlinie (EU) 2024/825 nicht mehr haltbar [1].


Deshalb strukturieren wir bei 2 Stream jede Klimaaussage in zwei getrennte Blöcke: was durch Wegfall von Reisen vermieden wird, und was die Produktion selbst noch verursacht. Nur die Differenz zwischen beiden ergibt ein ehrliches Bild, und diese Differenz ist fast immer positiv für das digitale Format, aber selten "null".


Ein Rechenbeispiel, das die Methode zeigt

Nehmen wir ein illustratives Beispiel, keine gemessene Realzahl, um die Rechenlogik sichtbar zu machen. Ein internationales Konferenzformat mit 150 Teilnehmern, von denen 60 sonst mit dem Flugzeug aus verschiedenen europäischen Hauptstädten angereist wären, wechselt zu einem hybriden Format mit Livestream-Anteil.


So würde die Rechnung strukturiert:

  1. Vermiedene Reise identifizieren: Anzahl der Personen, die remote statt physisch teilnehmen (hier: 60).

  2. Transportmodus und Distanz zuordnen: Kurzstreckenflug, Langstreckenflug, Zugreise oder PKW-Fahrt, jeweils mit der passenden Distanz.

  3. Emissionsfaktor pro Transportmodus anwenden: anerkannte Faktoren für Flug-km, Zug-km oder Auto-km, je nach verwendeter Datenquelle klar benannt.

  4. Verbleibende Produktionsemission gegenrechnen: Energieverbrauch von Kameras, Encoder, Streaming-Infrastruktur und geschätzter Endgerätenutzung über die Eventdauer.

  5. Ergebnis als Differenz ausweisen: vermiedene Reiseemission minus zusätzliche Digitalemission, nicht als absolute "Einsparung von X Tonnen" ohne Kontext.


Genau dieses Prinzip steckt hinter Formulierungen, die wir früher verwendet haben, etwa Aussagen zu "mehreren Tonnen CO₂" bei bestimmten Kundenprojekten. Solche Zahlen sind immer szenariospezifisch: Sie gelten für ein Event mit einer bestimmten Teilnehmerzahl, einer bestimmten geografischen Verteilung und einer bestimmten Eventdauer. Sie lassen sich nicht auf jedes andere Event übertragen, und genau das muss eine Klimaaussage nach den neuen EU-Regeln auch offenlegen [1][2].


Die Variablen, die das Ergebnis jedes Mal verändern, sind:

  • Teilnehmerzahl, die remote statt physisch teilnimmt.

  • Reisedistanz pro Teilnehmer.

  • Transportmodus (Kurzstreckenflug, Langstreckenflug, Bahn, Auto).

  • Eventdauer, die den Energieverbrauch der Produktion beeinflusst.

  • Digitaler Konsum, also wie viele Zuschauer über welche Endgeräte und welche Streamqualität zuschauen.


Mehr zur praktischen Seite dieser Rechnung, insbesondere zu Reisekosten- und Zeiteinsparungen bei Webinaren, finden Sie in unserer Übersicht zu hybriden Events und ihrer Rolle für Interaktion und ROI.


Livestreaming wählen, wenn der Klimaeffekt zählt, und wann nicht

Wählen Sie ein digitales oder hybrides Format, wenn:

  • Ihre Zielgruppe geografisch verteilt ist, etwa bei transatlantischen Konferenzen zwischen Brüssel und Washington D.C.

  • Ein signifikanter Teil der Teilnehmer sonst mit dem Flugzeug anreisen würde.

  • Sie die Reichweite erhöhen wollen, ohne die Teilnehmerzahl vor Ort proportional zu vergrößern.

  • Sie eine überprüfbare Klimaaussage für ein ESG-Reporting oder eine Ausschreibung benötigen.


Ein rein physisches Event bleibt sinnvoll, wenn:

  • Die Teilnehmer überwiegend lokal oder regional anreisen, etwa per Bahn oder Auto über kurze Distanzen.

  • Networking, Standdemonstrationen oder physische Interaktion der zentrale Eventzweck sind.

  • Die Teilnehmerzahl klein genug ist, dass die vermiedene Reiseemission die zusätzliche Digitalemission kaum übersteigt.


In diesen Fällen ist ein hybrides Format weiterhin möglich, aber der Klimaeffekt als Verkaufsargument ist schwächer und sollte nicht überbetont werden.


Wie 2 Stream Klimaaussagen für Kunden dokumentiert

Wenn wir für Kunden ein hybrides Format oder eine reine Livestream-Lösung aufsetzen, dokumentieren wir die Annahmen hinter jeder Klimaaussage, statt eine fertige Prozentzahl zu liefern. Das bedeutet: Teilnehmerprofil, geplante Reisedistanzen, Eventdauer und erwarteter digitaler Konsum werden vor dem Event festgehalten, nicht nachträglich konstruiert.


Diese Transparenz ist auch die Grundposition unserer Klimaimpact-Seite: Wir stellen dar, wie digitale Eventlösungen die ökologische Bilanz von Konferenzen verändern können, ohne das als automatisches "grün" zu etikettieren. Der Unterschied zwischen einer Marketingaussage und einer belastbaren Aussage liegt genau in dieser Offenlegung der Rechengrundlage.


Häufig gestellte Fragen


Ist Livestreaming automatisch klimafreundlicher als ein physisches Event?

Nein. Livestreaming spart in der Regel Reiseemissionen ein, wenn Teilnehmer sonst weit angereist wären, aber die Produktion verbraucht selbst Energie durch Equipment, Netzwerk, Rechenzentren und Endgeräte. Ob die Gesamtbilanz besser ausfällt, hängt von Teilnehmerzahl, Reisedistanz und Eventdauer ab, nicht von der Formatwahl allein.


Wie hoch ist der Energieverbrauch beim Streamen im Vergleich zu einer Reise?

Der Energieverbrauch einer einzelnen Streaming-Session ist in der Regel deutlich kleiner als der einer Langstreckenreise, besonders bei Flügen. Die genaue Differenz hängt jedoch vom Transportmodus der vermiedenen Reise, der Streamqualität und der Anzahl der Zuschauer ab und lässt sich nur für ein konkretes Szenario seriös berechnen.


Was ändert sich ab September 2026 für Klimaaussagen bei Events?

Ab dem 27. September 2026 gilt Richtlinie (EU) 2024/825 in der gesamten EU. Pauschale Begriffe wie "grün", "klimaneutral" oder "nachhaltig" sind ohne überprüfbare Datengrundlage nicht mehr zulässig. Unternehmen müssen Berechnungsmethode, Annahmen und Umfang jeder Umweltaussage offenlegen können [1].


Kann 2 Stream eine konkrete CO₂-Einsparung für unser Event garantieren?

Nein, und das ist bewusst so. Jede Einsparung ist szenariospezifisch und hängt von Teilnehmerzahl, Reisedistanz, Transportmodus und Eventdauer ab. Wir dokumentieren die Annahmen vor dem Event, damit die Aussage überprüfbar bleibt, statt eine pauschale Zahl zu versprechen.


Was ist der Unterschied zwischen vermiedener Emission und CO₂-Fußabdruck?

Vermiedene Emission beschreibt, was durch den Wegfall einer Reise nicht entstanden ist, im Vergleich zu einem hypothetischen physischen Event. Der CO₂-Fußabdruck des Streams selbst umfasst Produktionsequipment, Netzwerk, Rechenzentren und Endgeräte. Beide Werte gehören in eine ehrliche Klimaaussage, nie nur einer davon.


Die eigentliche Frage ist nicht, ob Streaming "grün" ist, sondern was sich konkret ändert, wenn Teilnehmer remote statt physisch teilnehmen, und wie sich dieser Unterschied nachvollziehbar berechnen lässt. Wer diese Differenz kennt, kann eine Klimaaussage über sein nächstes Event verteidigen, statt sie nur zu behaupten. Sprechen Sie mit unserem Team über ein Beratungsgespräch für Ihr nächstes hybrides Event und lassen Sie uns gemeinsam die Annahmen für Ihre eigene Klimaaussage aufsetzen.


Quellen

 
 
 

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